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Usbekistan - Zu den Überresten der Seidenstraße und des Aralsees

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Usbekistan - Zu den Überresten der Seidenstraße und des Aralsees

Kurzbeschreibung Infopaket

Das Staatsgebiet des heutigen Usbekistan ist das Ergebnis der sowjetischen Nationalitätenpolitik, die in den 20er und 30er Jahren die Grenzen zwischen den zentralasiatischen Unionsrepubliken nicht nach historischen, sondern vor allem nach machtpolitischen Gesichtspunkten festlegte. Die heutige Nationsbildung Usbekistans steht vor der Aufgabe, die Existenz des Staates in seinen aktuellen Grenzen (auch historisch) zu legitimieren.

Kurzinfo

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Region:
Usbekistan
Nr.:
UZ-66-1

Oasenstädte und Handelswege

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Prägend für diese Region war und ist der fehlende Zugang zu den Weltmeeren, der Wasser bis heute zu einem kostbaren und umkämpften Gut in den zentralasiatischen Staaten macht. Das Territorium Usbekistans besteht zu etwa 80 Prozent aus Wüstenlandschaft. Schon im zweiten und ersten Jahrtausend v. Chr. siedelten unterschiedliche Bevölkerungsgruppen an den Ufern der großen Flüsse und ließen dort Oasen und Kulturlandschaften entstehen. Die Region zwischen den beiden wichtigsten Flüssen Amudarja (Oxus) im Süden und Syrdarja (Jaxartes) im Norden hieß in der Antike „Transoxanien“.
Die Oasenstädte dieses Zwischenstromlandes waren schon früh wichtige Umschlagplätze auf den Karawanenrouten zwischen Ost und West. Den mythisch verklärten Namen „Seidenstraße“ erhielt dieses Handelsroutennetz jedoch erst rückblickend im 19. Jahrhundert. Genau genommen umfasste die Seidenstraße mehrere Karawanenwege, die sich im Laufe der Jahrhunderte änderten und über die nicht nur chinesische Seide, sondern auch andere Güter wie Gewürze, Elfenbein und Keramik transportiert wurden. Auch Ideen und Religionen verbreiteten sich auf diesem Weg. So fand etwa der Buddhismus seinen Weg nach China über die zentralasiatische Seidenstraße.
Seit dem 6. Jahrhundert war Transoxanien Teil des achämenidischen (persischen) Reichs, das um 330 v. Chr. von Alexander dem Großen erobert wurde. Nach dem Zerfall des alexandrinischen Imperiums geriet es in den Einflussbereich unterschiedlicher Großreiche und Völker, blieb jedoch weiterhin persisch geprägt. Die bedeutendste Religion war der iranische Zoroastrismus.

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Die arabische Eroberung im 8. Jahrhundert brachte den Islam nach Mawarannahr (arabisch für Transoxanien). Während der persisch-muslimischen Dynastie der Samaniden entwickelte sich im 9. und 10. Jahrhundert die Stadt Buchara zum Zentrum persischer Kultur und Wissenschaft. Nach dem Zerfall des Samanidenreichs regierten in der Region verschiedene Völker, bis im Jahre 1219 die mongolischen Truppen Dschingis Khans einfi elen. Viele Städte, darunter auch Buchara und Samarkand, wurden dabei fast völlig zerstört. 150 Jahre später errichtete Amir Timur (auch Tamerlan) ein neues Großreich, das von der Türkei bis nach Indien reichte. An Grausamkeiten gegenüber den unterlegenen Städten und Gegnern stand er seinem berühmten Vorgänger in nichts nach. Gleichzeitig förderte Timur aber die Künste und Wissenschaften, so dass die Region unter seiner Regierung eine kulturelle Blütezeit erlebte. Mit Hilfe ausländischer Baumeister und Künstler ließ er Samarkand zu seiner Hauptstadt ausbauen.

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Heute wird Amir Timur - obwohl eigentlich mongolischer Abstammung - zum Vater der usbekischen Nation erhoben, wenngleich seine Politik für einige Teile des heutigen Usbekistans (z.B. Choresmien und Karakalpakstan) vor allem Zerstörung bedeutete. Auch trat das namensgebende Volk der Usbeken - eigentlich ein Zusammenschluss verschiedener Turkvölker - erst im 15. Jahrhundert in Erscheinung und beendete die Herrschaft der Timuriden (Nachfolger Timurs). Im frühen 16. Jahrhundert entstanden als neue Herrschaftsgebilde die Chanate Buchara, Chiwa und Kokand (mit Taschkent), die von nun an die politische Landkarte prägten.
Die Entdeckung des Seeweges nach Indien führte ab dem 16. Jahrhundert zum Bedeutungsverlust der Seidenstraße und damit auch zu einer Abschottung der zentralasiatischen Städte. Von der früheren Offenheit, Toleranz und dem Austausch der Kulturen war kaum noch etwas zu spüren. Zwischen 1865 und 1873 eroberte das Russische Reich, das im Wettbewerb zu Großbritannien um den Einfluss in Zentralasien stand (Great Game), die zentralasiatischen Chanate. Nach der Oktoberrevolution und Gründung der Sowjetunion wurden diese zunächst in Volksrepubliken umgewandelt. 1924 wurde die Usbekische SSR ausgerufen, deren 1936 festgelegte Grenzen auch nach der Unabhängigkeit Usbekistans 1991 ihre Gültigkeit behielten.

Das Verschwinden des Aralsees

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Die sowjetische Herrschaft hat die Entwicklung Usbekistans maßgeblich geprägt. In den 50er Jahren wurde der Baumwollanbau stark forciert, was Usbekistan zu einem der größten Baumwollexporteure der Welt machte. Dieser bewässerungsintensive Wirtschaftszweig führte jedoch dazu, dass den Flüssen immer mehr Wasser entnommen werden musste. Seit den 60er Jahren verlor der Aralsee, dessen Hauptzuflüsse traditionell Amudarja und Syrdarja waren, merkbar an Wasser und verlandete zunehmend. Dies hat nicht nur katastrophale Folgen für die Wirtschaft der Region und die soziale Lage der Bevölkerung. Die Versalzung der Böden bringt auch ernsthafte gesundheitliche Schäden mit sich.
Nach der Unabhängigkeit 1991 regierte Präsident Islam Karimow ununterbrochen das Land. Seit seinem Tod im Herbst 2016 führte die Nachfolgeregierung unter Schawkat Mirsijojew einige bemerkenswerte Reformen durch: Liberalisierung des Währungskurses, Rückkehr einiger internationaler Organisationen, Lockerung der Zwangsarbeit auf den Baumwollfeldern. Auch in den schwierigen Beziehungen zu den Nachbarländern kam es zu Annäherungen, was Anlass zu vorsichtigem Optimismus gibt.